Äolische Inseln

Tanz auf dem Vulkan,

Segeln entlang der Kontinentalplatten 2014

Äolus

Aeolus war der griechische Gott der Winde, verheiratet mit Eos, der Göttin der Morgenröte. Der irdische Herr- scher hieß Liparos. Wir (ich berichte von zwei verschiedenen Seetörns) haben sie besucht, auf den Aeolischen/ Liparischen Inseln, Teil der vulkan-ischen Kette vom Vesuv bei Neapel bis zum Ätna auf Sizilien. Mit der SY Allegra, entlang den Kontinental-platten des eurasischen und des afri- kanischen Kontinents. Kein Angst, dazwischen fallen kann man nicht, aber beim Ankern vor Stromboli leitet die Ankerkette allerlei bedrohliche Geräusche aus dem Erdinnern in das Bootsinnere.

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Milazzo auf Sizilien ist eine mittelalterliche Stadt mit engen Gassen und lebhafter Gastronomie. Von dort führt unsere erste Etappe nach Vulcano. Am Schwimmsteg vor Porto di Levante erleben wir eine unruhige Nacht. Die See ist kabbelig und der ständige Fährverkehr verur- sacht heftigen Schwell. Was hatte der italienische Skipper vom Nachbarboot bei unserem Anleger geblafft? Dies sei Italien und man spreche hier italienisch? Für seine Damen an Bord war Fremdschämen angesagt – nachts mussten Sie uns nämlich um Hilfe bitten, damit sie wieder auf ihr Boot kommen konnten. Das taten die Italienerinnen in ihrer Not dann doch auf Englisch! Ohne Skipper waren sie sehr nett und äußerst charmant.

Lipari ist die Hauptinsel mit netten Boutiquen in der Fußgängerzone. Beim ersten Mal liegen wir im Hafen von Pignataro, abgelegen und schmuddelig. Schöner ist es südlich der Tankstelle von Marina Lunga.Aber Vorsicht: Heftige Fallböen mit Orkanstärke reißen an den Moorings, verursachen heftigen Schwell und bringen Chaos über die vertäuten Boote. Durch schnelles Eingreifen von Axel und Ruth kommt SY Allegra ohne Schaden davon. Dank Lorenzo, dem besten Marinero aller Zeiten, gelingen auch die Anlegemanöver der später Ankommenden, in einem Fall aber nur deshalb, weil sich Lorenzo mit seinem Schlauchboot als rasender Fender wagemutig zwischen die Kontrahenten wirft, die andernfalls unvermeidbar miteinander kollidiert wären. Wir wettern ab und unternehmen einen Ausflug über die Insel. Naomi mietet ein italienisches Auto – oder was man dafür so halten kann. Wir fahren ins Solebad am Pta del Rosario, kommen aber etwa 100 Jahre zu spät – so lange ist der Badebetrieb nämlich bereits eingestellt.

Viel romantischer ist der ruhige Ankerplatz Porto di Ponente. Dort liegen wir bei schwachem Wind an einer Ankerboje zwar auf Legerwall, genießen das Bad im tiefblauen Meer aber trotzdem. Angela verfolgt einen riesigen Oktopus – oder er sie? Berend und Florian reparieren den Anlasser vom Dinghi – und dann geht der Spaß richtig los. Zum Dank serviert der Skipper den Badenden Sherry auf schwimmenden Bodenbrettern. Anderntags besteigen wir vor Sonnenaufgang den Krater des Vulkans und feiern, oben angekommen, in der Morgenröte den Geburtstag von Jana mit Kuchen und kaltem Wasser. Nachdem wir das Gipfelmonument um einen weiteren Stein erhöht haben, machen wir uns durch die Schwefeldämpfe an den Abstieg.

Wieder unten, erholen sich Annette, Manfred und Thorsten in schwefelhaltiger Sole, während andere in den Fumarolen des thyrrenischen Meers baden: Den restlichen Tag beherrscht ein Hauch von Stinkbombe das Klima an Bord der Allegra.   😉

Panarea bietet in der Baia Milazzese sich- eren Ankerplatz. Attraktiver erscheint uns  allerdings Scalo Dittela. Die Reichen sind schon da, jetzt kommen auch noch die Schönen! Wir baden am tiefschwarzen Strand, schlen dern durch die engen Gassen und bewundern die Designer-Wohnungen. Jana findet reife Nüsse und Manfred besorgt frische Pane zum Frühstück.

Die Felsen Basiluzzo, Panarelli, Datillo und Lisca Blanca bieten weder Schutz noch  Badegelegenheiten – und schön sind sie auch nicht.

Der Höhepunkt unserer Reise ist Stromboli! Erst Anfang August kam es zu einer heftigen Eruption, der Vulkan raucht. Tief im Innern der Erde rumpelt es hin und wie- der bedrohlich. Trotz- dem  strömen die Touristen auf die Insel. Ende August bekommt man hier kein Bein auf die Erde. Anfang September geht´s schon wieder.

Es findet sich auch ein attraktiver Ankerplatz südlich des Fähranlegers. Von dem im Wasser schwimmende Plas- tikmüll halten wir uns frei. Später verdeutlicht uns ein wütender Einheimi-scher, dass der Plastikmüll seine Mooringkette kennzeichne. Entgegenkommend kürzen wir unsere Ankerkette um 10 m, dann ist Platz für beide. Dafür verlängert er seine und treibt dann erst recht mit seinem Boot gegen unseres. Eine unruhige Nacht, der Skipper bleibt vorsichtshalber an Bord – und das war wohl auch notwendig, um Racheakte abzuwenden. 

Vor San Vincenzo hält der Anker gleich beim ersten Versuch. Auch hier ist es eng zwischen den vielen Yachten. Hoffentlich kommt kein stärkerer Wind auf! Mit dem Dinghi gehen Christine, Simon, Valerie, Katharina und Caroline auf Erkundungsfahrt. (Wieviele passen eigentlich noch ins Schlauchboot? Später beweist uns die nasse Hose von Berend, wann das Maß voll ist ;-)). Das Dinghi und seine Crew werden vor Sonnenuntergang nicht mehr gesehen. Vor  Ficogrande ist ihnen der Sprit ausgegangen: An Land rudern, Tankstelle suchen, Kanister beschaffen, Benzinleitung entlüften….

Nachts, in tiefer Dunkelheit legen wir ab. Iris erweist sich als erfahrene Steuerfrau – auch im Dunklen. Vorbei am einzigen Leuchtfeuer von Strombolicchio umrunden wir Pta Labronzo und beobachten den Abfluss rotglühender Lava. Das Meer kocht. Bei Sonnenaufgang setzen wir Segel und laufen einen sportlichen Halbwindkurs bis Salina. San Marina ist der gepflegteste aller Häfen, der einzige mit ausreichend Toiletten und sogar warmen Duschen (!) – und deswegen noch teurer, als alles, was wir bisher kannten. Testet doch mal den morbiden Charme des Eiskaffees im Zentrum! Das Pistatiengebäck aus der Vitrine schmeckt ausgezeichnet.

Zurück nach Milazzo. Der Skipper vergeigt das Anlegemanöver und Allegra verheddert sich in den Mooringleinen der Nachbarboote. Mit Bugstrahlruder und der Unterstützung eines pfiffigen Marinero kriegt die Crew das Boot dann doch noch an die eigene Mooring und an den Steg. Das traditionelle Anlegerbier lassen wir uns davon dennoch nicht verleiden.

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