Ostsee, Rügen und Greifswalder Bodden

  1. Greifswalder Bodden 2016
  2. Rund Rügen im Winter (landseitig) 2016
  3. Den Spuren von Klaus Störtebecker folgend 2010

Die Ostsee ist ein sehr abwechslungsreiches Segelrevier, teils sonnig warm, teils regnerisch frisch. Der Wind weht Tag und Nacht stetig aus West. Für den Rückweg aus dem Baltikum rechne man mit langen Schlägen gegenan. Es gibt kein schlechtes Wetter – nur unpassende Kleidung. 😉

Gen Dänemark kreuzen wir die Kadettrinne, eine der dicht befah-rendsten Seeverkehrsstraßen der Welt, immer wieder ein Abenteuer. Ruhe und Erholung findet sich in der dänischen Südsee oder in den Boddengewässern. Aber Vorsicht: Diese Gewässer sind flach und verändern ihr Profil mit jedem Wechsel der Strömung.

Greifswalder Bodden

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Überraschung! Vier Wochen nach dem Kauf kommen wir wieder auf unser Boot, die BlaueStunn, eine Neptun 22 mit Kielschwert.

Blaue Stunn

Der Verkäufer wollte noch einige Reparaturen durchführen und der Tischler den Nie dergang überarbeiten. Wir liegen am Steg des Anglervereins Greifswald Wiek, Hochsicherheitstrakt. Ulrike snackt mit dem Vorsitzenden und dann dürfen  wir zwischen den verschlossenen Gattern frei herumlaufen. Soviel Freiheit  kann der Rottweiler – selbst Gast hier – nicht ertragen – und  beißt   Ulrike kräftig in den Achtersteven.

Jetzt nur noch schnell das Schubfach einbauen, das Vorluk mit einem Schließer versehen, neue Kennzeichen besorgen….. . Dann noch schnell das Deck schrubben – das Bier ist schon kalt und Ulrike hat schon den Salat in der Kajüte geschnippelt!

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Naja, es wird Dienstag bis wir loskommen.  Um 12 Uhr öffnet die Wieker Brücke nicht – also 13 Uhr. Und dann segeln wir immer noch 25,6 sm quer durch den Greifswalder Bodden bis Seedorf. Vor dem Anlegen bei sonniger Flaute im Naturschutzgebiet nehmen wir das Abendbrot im Cockpit und geniessen die Weite der Natur, die Stille ringsum und beobachten Möven und Seeadler bei der Jagd. Schließlich machen wir kurz vor der Dämmerung an einem Privatsteg vor der Fussgängerbrücke fest, für 8 (!) € die Nacht. Netter Empfang mit Einladung aufs Nachbarboot. Small Talk: Woher kommst Du – wohin gehst Du und worauf segelst Du?  Und dabei stets Austausch nützlicher Revierinformationen.  Seedorf ist winzig und besteht hauptsächlich aus Brücke, bietet weitläufige Wanderwege, viel Natur und – im Sommer – etwas Gastronomie.

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Am nächsten Tag geht´s bei  3-4 Bft  und kräftigen Böen in den „Hafen“ von Baabe, tatsächlich nur ein kleiner Anleger auf der Durchfahrt in den Selliner See.

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Der Fährmann holt über, dann sind es etwa 90 Min Fussweg zu unserem Winterurlaubs -Ferienhaus in Vilmnitz. Abends sitzen wir bei Frischfisch und Pils im alten Kutter und klönen mit der weltläufigen Besatzung vom Schubkahn um die Wette. Die fährt die Leichter zum Bau der neuen Marina hin und her.  Ins Zentrum von Baabe sind es 6 km, zu Fuss gefühlte 60 km. Man kann aber für 2 € stündlich mit der Bimmelbahn fahren.

Den Rückweg müssen wir bei 4-5 ztws 6 Bft gegenan. Blaue Stunn meistert das Wetter absolut seetauglich, es herrscht allerdings auch kein Seegang. Heute geht es nach Lauterbach, Liegeplatz zwischen zwei Pfahlbauten. Ein trubeliger Ort mit Segel- und Surfschule, Restaurants, Marina und Stadthafen. Hier können wir uns ordenliches Tauwerk img-20160805-wa0000abesorgen. Rainer hat Rücken und beansprucht eine Massage, ist aber nur Hokuspokus.

Weiter geht´s nach Strahlsund Danholm immer gegenan.  Hinter der Ansteu- erungstonne verreckt der Motor und der Katamaran von hinten kommt schnell näher. Viel Pumpen hilft viel und der Motor springt noch mal an. Trotzdem, diesmal müssen wir wieder laufen, nochmal gefühlte 80 km mit vollem Spritkanister! Ulrike verhandelt mit einem Taxifahrer – und generiert den doppelten Fahrpreis.

Stralsund altes Rathaus

Stralsund Nordhafen: Für so ein kleines Boot findet sich immer ein Plätzchen. Neben uns legt ein Holländer an. Die kommen gerade aus Polen zurück und sind ebenso begeistert von der Freundlichkeit der Deutschen von ne Waterkant wie auch wir. Wir haben aber keine Lust auf den Stadtbetrieb.

Stralsund altes Rathaus

Puddemin erreicht man um den Vogelhaken durch die Glewitzer Wiek. Selbst unsere Blaue Stunn mit hochgezogenem Schwert, muss ihm Fahrwasser bleiben. Großartige und navigatorisch spannende Einfahrt unter Segeln. Ganz am Ende gibts einen Anleger und zwei Stege im Seegras.

Puddemin
Puddemin

Uns gefällts hier mal wieder richtig gut. Zum Einkaufen machen wir uns zu Fuß auf den Weg nach Garz. Unterwegs rasten wir im Café an der L 30. Ein absolutes Muss! Selbstgebackener Kuchen und der frische Kaffee lohnen den Weg allemal. Allerdings muss die Wirtin dreimal laufen: Der starke Wind weht ihr immer wieder das Tablett aus den Händen. Nach der Rast bleiben noch gefühlte 160 km bis Garz. Kurz vor Ortsanfang erbarmt sich ein Autofahrer unserer, fährt uns zu EDEKA und nimmt uns wieder mit zurück. Danke!

Puddeminer Wiek

Auf dem Rückweg, wieder 5 Bft gegen, tut sich unser Jockel schwer, verschluckt sich ausgerechnet in der Engstelle und geht aus. Wie im Film kommt die Rettung in Form eines anderen Seglers daher. Der nimmt unsere Leine, schleppt uns um den Vogelhaken und dann hat sich der Jockel auch schon wieder erholt. Heute reicht´s uns bis Strahlbrode. Ein unspektakulärer Hafenort mit liebevoll gepflegten Wohnhäusern und einer ausgedehnten Datschen-Siedlung mit DDR -Flair. Highlights: Die Räucherbude mit Frischfisch und die dichte Brombeerhecke nahe dem Fähranleger. Auf dem Weg dahin fällt Rainer in voller Montur zwischen Bugkorb und Steg. Das Wasser ist eigentlich auf Badetemperatur.

Vogelhaken
Vogelhaken

Letzte Etappe zurück in unseren Anglerverein. Wir passieren die Wieker Brücke um 15 Uhr. Unbedingt zu empfehlen ist in Wiek das Restaurant Fischer Hütte (s. TripAdvisor) Ecke Boddenweg / An der Mühle.

Am nächsten Morgen kranen beim Anleger am Kegelkamp – und jetzt nimmt das Desaster seinen Lauf. Wir müssen uns an ein Leben ohne Blaue Stunn gewöhnen.

Hoch und trocken
Hoch und trocken

 

Rund Rügen im Winter (landseitig)

Zwei Brücken führen über den Strelasund. Die eine hoch genug, die andere öffnet – leider sehr selten. Wenn man bis dahin kurz festmachen kann, sollte man durch Stralsund schlendern, lohnt sich!

Rügen läuft Sylt den Rang ab! Klassizistische Bäderarchitektur in Binz und Sellin, durchgängig in strahlendem weiß gehalten. Unbedingt den Binzer Villenrundgang von der Rügen-App mitmachen! (QR-Codes eInscannen). Viele alte Reetdach-Häuser wieder toll hergerichtet, insbesondere jeweils in Strandnähe.

Hiddensee, ein Naturereignis! Traumhafter, endloser Badestand im Westen, herbe Natur im Norden um den Leuchtturm und beim Toten Mann, großartiger Blick nach Osten gen Rügen. Die Orte Vitte und Kloster wirken wenig gepflegt, keine Spur von attraktiver „Bäderarchitektur“, allenthalben eher Kleingärtnermentalität – einzelne Bauten selbstverständlich ausgenommen. Und es zieht sich eine breite Fahrradautobahn durch die Orte. 

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Lauterbach, ein enger Hafen im Norden des Boddens bietet viele sichere Liegeplätze zwischen Pfahlbauten, vermieteten Ferienhäusern. Es finden sich auch Restaurants, eine Segelschule, Spielplätze. Yachten über 12m gehen besser in den kommunalen Hafen westlich nebenan. Bei der Ansteuerung hält man sich unbedingt an die betonten Wege. Abseits giIMG_0124bbt es Flachs und große Steine. Wer Ankern möchte geht besser in das Revier östlich Vilm, weit genug weg von allen Abwasserzuleitungen, gut IMG_0129ge- schützt bei allen Windricht- ungen auf 3-5 m Wasser- tiefe.

 

 

Absolutes Highlight: Eine Wanderung entlang des „Pfades der Muße und Erkenntnis“ zwischen dem Badehaus Goor und Freetz. Im Sommer Bade- sachen mitnehmen !

Tief im Rügischen Bodden liegt Seedorf, wildromantisch gele- gen. Dort gibt es Liegeplätze in den „ostseeüblichen Boxen“ sogar für Yachten über 12 m.IMG_0075 Auf der Ostseite Rügens ist lediglich Sassnitz ein Schutz-hafen, den man unter allen Bedingungen anlaufen kann.

Die Ansteuerung von Lohme und Glowe ist bei Starkwind aus Ost wegen vorgelagerter Felsen und kabbeliger See kritisch. Beides sind kleine nette Ortschaften mit Bäderarchitektur.

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Lohme

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Vitte (Putgarden) ist wegen der sich in das Tal schmiegenden alten Fischerhäuser sehens-wert, anlegen kann man an dem kleinen Steg aber nicht, dürfte auch zu flach sein.

Bei der Umrundung der Kreidefelsen von Cap Arkona muss mit auflandigem Strom und schmälendem Wind rechnen und sollte deshalb seine Schläge frühzeitig unter Berücksichtigung der Wind- richtung planen.

Den Spuren von Klaus Störtebecker folgend

laden würdige alte Hansestädte zum Landgang ein.

  • Warnemünde – Vitte – Wiek auf Rügen – Kühlungsborn
  • Klintholm – Ystad – Kopenhagen – Rödvig – Haesnes
Vitte: Atemberaubende Ansteuerung im engen, unbefeuerten Fahrwasser. Direkt neben Deiner Yacht laufen die Möven zu Fuss. Die Marina ist für Yachten über 14 m nicht geeignet. Im kommunalen Hafen starker Fährverkehr auf engstem Raum. Man liegt in übergroßen Päckchen. Fahrradtour über die Insel ist sehr zu empfehlen. 

Wiek auf Rügen hat 3 verschiedene Hafenmeisterzuständigkeiten. Der für den NE ist sehr nett. Mehrere Restaurants sind sehr empfehlenswert. Baden im warmen, sauberen Boddenwasser am sw Hafenrand löst mediterane Gefühle aus. In der freien Ostsee viele Quallen, die tun aber nix! (sagt der Hundehalter 😉 )

Klintholm, Absprung- basis Richtung Born- holm und ins Baltikum. Der Hafen ist sehr stark frequentiert. Wenig Schutz bei westlichen Winden im Yacht- hafen. Yachten ab 12 m liegen besser im Fischereihafen – oder fragen freundlich an, ob sie kleinere Yachten als Fender benutzen dürfen. ;-(

Ystad, attraktive schwedische Hansestadt, muss man unbedingt anlaufen, lebendige Geschichte – der Marktplatz, einfach hyggelig! Hier und da ein Déjà-vue: Bilder aus Wallander-Krimis.

Nach all den intensiven Naturerlebnissen musste als Kontrast-programm einfach mal Kühlungsborn angelaufen werden. Remmi Demmi bis tief in die Nacht, Tanz auf der Hafenpromenade, buntes Publikum, sehr gepflegte Sanitäranlage.

Köbenhavn macht Spass! Eine großzügige und attraktive Stadt. Die Auslagen der Geschäfte weichen deutlich von denen in den deutschen Großstädten ab. Freundliche Menschen dürfen die großzügigen Innenhöfen betreten – dort leben die Köbenhavn-er! Ansonsten entwickelt Dänemark abseits der grossen, gepflegten Marinas unerfreuliche Verhältnisse: Satte Havnepenge – trostlose Toaletter. ;-(

Auf der Suche nach dem besten aller Liegeplätze sind wir tief in den Christianshavn hineinge-fahren. Vorne eine Straßen-brücke und von hinten drückten die Ausflugsboote, es ging nicht mehr vor und zurück. Alle hatten Spass an dem Spektakel – nur der Skipper schien irgendwie in Streß zu geraten…

Ich liebe den kleinen Hafen Haesnes und liege am liebsten direkt an der südlichen Mole. Meine Mitsegler wissen warum: Den Anleger trinkt CreW nach Sonnenuntergang mit überwäl ti- gendem Blick auf die am Horizont vorbeiziehenden Kreuzfahrtschif- fe. Allerdings recht ungemütlich bei südwestlichen Winden und Schwell in der Hafeneinfahrt.

Auf SY Sanssoucis (Bavaria 47) ist uns bei Starkwind und Seegang vor Mön´s Klint die Steuerkette gebrochen – Schaden gut gemeister und weiter gesegelt. Wir haben sie geliebt, die gut ausgerüstete SY Sanssoucis. Jahre später hat Christin sie im Internet ziemlich heruntergekommen wiedergefunden.

Teilnehmer waren nette Segler von 8 bis 82 (!) Jahren. Die Zwillinge freuten sich, dass die Yacht zwei Steuerräder hatte, so konnte jeder bestimmen, wo es lang geht 😉 ein Bäcker entdeckte seine Begeis-terung als Steuermann und zwei Ruheständler wurden von Ihren Frauen zum Segeln geschickt. Und so hatten alle ihren Spass dabei. ;;-))

E-Mail: Rainer@Backbordbug.net

Ein Gedanke zu „Ostsee, Rügen und Greifswalder Bodden“

  1. Buckelwal im Greifswalder Bodden kollidiert mit Segler Andreas Kohl (Ostsee-Zeitung 6.9.2016). Ist das nun Seemannsgarn oder echt wahr? Ulrike und ich haben dieses offensichtlich gefährliche Revier bravourös gemeistert,

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