Dänische Südsee

Bilder und Videos sind weiter in Arbeit – heute sitzen wir im Restaurant der Seglervereinigung Flensburg, wo wir mit einem freundlichen Moin, sehr nett aufgenommen wurden. Der Blick vom Clubhaus bietet die Flensburger Förde bis Dänemark und wir genießen ganz grosses Hafenkino beim SVF.

Wir ankern im Nybol Nor. Das Nor ist vielleicht halb so groß wie das Steinhuder Meer. Bei angekündigtem Wind SE-S 3-4 ankern wir im Südwesten des Nors hinter einer Baumgruppe auf 1,6m Wassertiefe mit 3m Kette und 17m Ankerleine zwischen zwei Gruppen von Fischerfähnchen. Natürlich habe ich nach dem Anker getaucht. Er liegt tief eingegraben im tonigen Untergrund, also sicherer Halt. Trotzdem geht um 0036 Uhr der Ankeralarm los. Der Wind hat gedreht und das Boot schwojt. Alles im grünen Bereich.

Nybol Nor
Letzte Peilung vorm Dunkelwerden

Von Höruphav nach Fiskenäs, ein unscheinbarer Ort hinter Brücke von Egernsund. Auf der Route in der Sonderborg Bucht suchen wir lange nach einer zentralen Tonne, vergeblich. Nochmal in die elektronische Seekarte geklickt: “Buoy not present”. Aha. Navigation ist, wenn man trotzdem ankommt.

Von Fiskenäs aus entdecken wir mit den Klapprädern das Sommerschloss der dänischen Königsfamilie in Grasten.

Schloß Grasten

Höruphav. Beim Aufstoppen bricht die Halterung vom Außenborder. Das Holz ist durch Feuchtigkeit verrottet und zerbricht unter der Last. Unser Lieblingstischler hatte ihr gerade noch eine Lebensdauer von etwa 120 Jahren bescheinigt. Ulrike findet einen Holzfachmann, der sie passgenau ersetzt. Danach verwandelt er sich in einen Elektrofachmann und repariert die Elektrik bei unserem Nachbarboot, die eine ganze Nacht ohne Elektrik auskommen mussten.

Ein Kieler Ehepaar, mit dem wir uns abends nett unterhalten hatten über Kiel, die Ostsee und das Segeln auf klassischen Holzbooten.

Höruphav ist eine liebenswerte Marina mit Badeanstalt und Grillplätzen. Wir besuchen den einzigen Glasbläser in Dänemark. Rainer und er fachsimpeln über Glastypen, – farben und Schmelztemperaturen. Ulrike kauft ein.

Glasbläser Garten

Heute haben wir in Faaborg angelegt. Hier tobt das Leben. Eine malerische Altstadt mit vielen Kneipen und ein tolles Mittagessen im Hvid Pakhus. Wir liegen direkt an der Havnegaade, alle Sailors flanieren hier entlang auf dem Weg zu einem Restaurant – oder auch nur zur Fiskerögeri. Wir haben Samen für Stockrosen gekauft, die schmücken viele dänische Vorgärten, demnächst auch unseren.

Von Middelfahrt nach Assens und weiter zur Insel Lyö. Ein Wieder-sehen nach 42 Jahren. Wer mag Saltkrokan aus den Geschichten von Astrid Lindgren? Der sollte Lyö besu-chen. Da könnte Michel aus Lönneberga auch gelebt haben. Wir haben nicht nur die Hütte gefunden, wo er geschnitzt haben könnte, sondern auch Vindtelefonen. Der Kontakt zu den verstorbenen Ahnen. Wir haben eifrig telefoniert.

In einem Höllenritt nach Middelfart: Mit achterlichem Wind um 4-5 bft macht WindiGO 6,2 kn und dazu schiebt der Strom mit teilweise 1,5 kn mit.

Middelfart hat eine großzügige Marina im Süden der Stadt, eine tolle, gepflegte Anlage und ein exzellentes Bistro – in indischer Hand. Hier kann man es aushalten, denn wir müssen mindestens einen Tag abwettern. Und dann seh´n wir mal. Die Altstadt ist sehenswert, typisch bunte dänische Häuser in geschlossener Bauweise jeweils mit Stockrosen verziert.

Von Mjels Vig nach Aarö. Der Hafen ist nicht weiter berichtenswert. Der Fußmarsch vom Hafen ins Dorf zieht sich. Die Fischräucherei ist etwas grummelig – aber der geräucherte Fisch schmeckt ausgezeichnet.

Mjels Vig

Danach gehts weiter zur Halbinsel Alsen. Malerisch gelegen der Hafen von Dyvig und dann noch tiefer in den Naturhafen Mjels Vig, gegen alle Wetter geschützt. Natur pur. Das klare, saubere Wasser lädt zum Baden ein. Beim nächsten mal werden wir hier auch ankern.

Sonderborg

Die Brücke von Sonderborg öffnet jede Stunde um 00.38 Uhr. Knapp 30 Yachten drehen ihre Runden bis die Durchfahrt freigegeben ist.

Brückendurchfahrt in Sonderborg

Der Wind nimmt zu, wir verkleinern die Genua. In Sonderborg Marina angekommen, wechseln wir noch zweimal den Liegeplatz, um nicht mit unserem kleinen Boot den Platz für ein großes zu beanspruchen. Später erfahren wir, dass in Sonderborg nicht Länge zählt, sondern Breite. Wir zahlen 170 dkr Havnepeng für einen 3,80 m breiten Liegeplatz.

Am Sonntag hat der Wind nochmal zugenommen, es bilden sich leichte Schaumkronen auf dem Wasser. Wir beschließen “Stegurlaub” und packen dazu die Fahrräder aus. Sönderburg hat sich seit unseren früheren Besuchen in den 1980er Jahren sehr verändert. Der Stadthafen ist jetzt Flaniermeile, den dänischen Brauch, jeden Abend mit dem Auto eine Runde zum Hafen zu fahren, scheint es nicht mehr zu geben. Ein Bad in der Ostsee und danach wird der Wok in Betrieb genommen.

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WindiGO vom Steg auf den Trailer und nach Hause holen, dazu benötigen wir knapp 4 Stunden. Einen weiteren Tag Bootspflege, einkaufen, aufrüsten und packen. Wir starten am Donnerstag um 0800 Uhr und erreichen Fahrensodde gegen 1345 nach Staus vor dem Elbtunnel.

Auf der engen, stei-len Zufahrt zur Seglergemeinschaft Flensburg toben sich gleichzeitig der Strassenbau, die städtische Grün-pflege sowie die Müllabfuhr aus. Dazwischen müssen wir uns mit WindiGO durchschlängeln. Ob wir am Ende unser Gespann noch wenden können? Die Straße ist nämlich eine Sackgasse.

Der Hafenmeister weist uns ein und abends liegt WindiGO aufgeriggt in der Box. Dazwischen begeistert Ulrike zwei spielende Kinder aus Castrop-Rauxel fürs Segeln – ganz zu Begeisterung der Eltern, die bei Kaffee und Kuchen im Bistro sitzen.

Fahrensodde ist ein schöner, geschützter Hafen. Der rührige Hafenmeister Niko ist die Gelassenheit in Person. Jeder Handgriff sitzt, keiner zu viel, alles durchdacht. „Moin“ – nur einmal ! – und wir werden herzlich aufgenommen.

Unser Nachbar segelt Kontiki, einen Eigenbau seines Vater auf dem Rumpf eines Fischerbootes von den Lofoten. Er verrät uns Wesentliches über die Liegeplatzlage in der Ostsee. Es stehen viele attraktive Yachten zum Verkauf – es gibt nur keine Liegeplätze. Der andere Nachbar mit der Hallberg-Rassy bietet uns seine Steckdose am Stegstrom an. Die erste Nacht fallen wir in einen tiefen, erholsamen Schlaf.

Freitag besuchen wir Flensburg.

Eine schöne Stadt mit leicht morbidem Charme. Obwohl niemals der Hanse angehörig, schöne alte Kapitänsvillen. Sie haben ihre letzte Restaurierung wohl in den 1970-80er erfahren. Man erkennt ihre Schönheit noch, auch wenn die Farben verblassen und viele Wohnungen leer stehen. Bombastisch die Backsteinarchitektur des Gerichts-gebäudes. Reingelassen werde ich nur mit dem Rechtsanwaltsausweis – die Gerichtsöffentlichkeit ist Corona zum Opfer gefallen – und den Sicherheitsbedarfen der Justizangestellten. Deutschland verändert sich!

Flensburg hat eine endlos lange, sehr belebte Fußgängerzone. Es mischen sich plattdeutsche, danske und englische Sprachklänge. Besonders attraktiv die Rote Straße. Wir lassen uns beim Rum-Spezialisten Braasch beraten und kaufen edle Sorten, mit Port und Sherry geblendet. Sonst wirken die Geschäfte etwas altbacken, es gibt noch Blume 2000 und Gravis, dafür weicht das Warenangebot vom Einheitsbrei anderer Städte deutlich ab. Sehenswert die Innenhöfe der Kaufmannshäuser, geradezu mediteraner Charakter und gute Gerüche allenthalben.  

Traurig stimmen uns auch hier die Zeichen sozialer Verwahrlosung im Zentrum der Stadt. Das Prekariat lässt die Häuser verkommen, man schaut in verdreckte Fenster und schmuddelige Wohnungen.  Ganz anders die Wohnviertel mit Einzelhausbebauung und Blick ins Grüne oder auf die Förde.

Ulrike kommt aus Hugendubel mit einem Buch in der Hand: „Das Faultier bewegt sich Opa“: Die besten Kindersprüche, immer witzig, manchmal weise – und leider oft wahr. „Bist Du schon eine Oma oder bist Du noch erwachsen?”

Die Menschen, denen wir begegnen sind freundlich, aufgeschlossen, rücksichtvoll vorausschauend und in jeder Beziehung herzlich. Beim Schiffsausrüster kaufen wir einen Danebrog und einen Splitter für die Stegstromanlage – werden wir auch beim WSV nutzen können. Mit der Chefin kommen wir ins Gespräch über Gott und die Welt und Ulrike lässt sich für ein paar weiche Bordschuhe aus feinem Leder zum halben Preis begeistern. Bordschuhe als Auslaufmodell – nein, das ist keine Satire.

Zurück an Bord, wir nehmen den Honda nach 2 Jahren erstmalig wieder in Betrieb. Es geht nix! Benzinhahn, wo war der noch? Ach ja, der Startschalter ist falsch gepolt: 0 = an und 1= aus. Die Erinnerung hilft aber nicht. Ulrike baut die Zündkerzen aus und poliert die Kontakte mit der Nagelfeile. Honda hustet, verschluckt sich zweimal und dann beginnt ein 10 PS starker run.

Damit starten wir dann am Samstag Richtung Sonderborg. Zunächst 3 bft direkt gegenan, hinter den Okseöern können wir Segel setzen und kreuzen. Mühsam aber wir kommen voran – in einem großen Pulk anderer, meist sehr viel größerer Yachten.

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