Vorpommersche Bodden, Hiddensee, Rügen, Darss, Greifswald

  1. Hiddensee, Stralsund, Barth
  2. Greifswalder Bodden
  3. Rügen im Winter
Hiddensee Strandweg

Hiddensee, Stralsund, Barth

Wir segeln ab Neuhof über Stralsund nach Hiddensee. Stralsund ist immer eine Reise Wert. Ausgezeichnetes Abendessen auf der Terrasse Kron Lastadie!

Neuhof, Stralsund, Vitte, Schaprode, Zingst, Barth und Ahrenshoop

Und am Donnerstag mit raumem Wind 5 Bft mit durchgängig 5-6 kn in rasender Fahrt Richtung Hiddensee. Wir liegen in Vitte, Marina Langeort und schauen in den stürmischen Sonnenuntergang. Ulrike kocht auf dem Wok ein exzellentes Menü. Die ganze Nacht drücken die Windböen unter die Cockpitplane – und der Wettbericht lässt auch für die nächsten drei Tage nichts Gutes erwarten. Wir bleiben in Vitte.

Ostseestrand Hiddensee

Am Sonntag geht es bei W 4-5 Richtung Schaprode. In der Hafenausfahrt Langeort kommt Steinhuder Meer Feeling auf, zuerst zieht das Boot braunen Schlamm hinter sich auf und dann bleibt es im Fahrwasser stecken – bei 1,40m Schwert. Schwert hoch, Speed auf den Honda und Problem gelöst. Ulrike tut sich schwer, sich am rechten Fahrwasserrand zu halten und fängt einen Anschiss vom Überholer ein. Hinter der Tonne 31a wollen wir bei 1,50 m Kartentiefe abkürzen zur Ansteuerung Schaprode – und sitzen gleich mal wieder fest. Die wahre WT liegt unter 1,20m. Segel runter und Aquamot an – rettet die Situation. Wir machen mit dem Heck zur Oie fest. Wunderschöner Ausblick und eine ruhige Nacht.

Montag: Delta Papa 07 hat es aufgegeben, Wetterdaten und eine qualifizierte Vorhersage zu liefern. Das ist konsequent, denn die letzte Woche lagen sie immer daneben. Windfinder kündigt WSW 4-5 an, Tendenz abschwächend. Bei WindFi kommt es auf die Anzeige der Böenstärke an, denn die Böen sind deutlich stärker als üblich und halten viel länger an. Wir warten bis 14 Uhr und legen dann erst ab, hoffend auf die „Abendflaute“.

Nix „Abendflaute“. Bei W 5 Bft gings die Gellerhaken Rinne nach Süden. Teils mit gereffter Genua, teils mit Honda. Nur mit Genua bei Seegang neigt WindiGo zu drastischer Leegierigkeit. Um den Bootstrimm zu verbessern, haben wir Taschen und Fahrräder ins Vorschiff gepackt. Dann gings besser. Heute ziehen wir das zweite Reff ins Grossegel ein, damit sollte sie morgen besser laufen. Jetzt liegen wir in Barhöft bei warmer Abendsonne und windgeschützt.

Am Dienstag lernen wir, warum man mit hochgezogenem Schwert keine Manöver fahren sollte: Ulrike legt rückwärts gegen den Wind ab und fährt dann voraus- der Wind drückt sie manövrierunfähig direkt mit voller Fahrt auf den Steg und das Nachbarboot. Rainer wirft sich mit vollem Körpereinsatz dazwischen. Die Liegeplatz-Nachbarn ziehen ihn aus dem Wasser. Ganz grosses Hafenkino!

Zweiter Ablegeversuch mit Schwert – ohne besondere Vorkommnisse. 😉 Als wir den Kleinen Werder passiert haben, begrüsst uns ein kräftiger Westwind mit 6 Bft. Der Honda schiebt uns kräftig voran immer noch mit 5.2 kn, wenn die Welle ganz dicke kommt, nur noch mit 3.8 kn.

Da kommts dicke

Auf dem Flach südlich der Tonne B 88 sichtet Ulrike die Kenterung einer Jolle. Wir ändern den Kurs und bieten Hilfe an. Brauchen die aber nicht. Wir bleiben in der Nähe, bis sie das Boot wieder aufgerichtet haben.

Um 16.30 machen wir im urigen Kloss Hafen fest. Uns begrüßt ein Schild: „Wir sind hier nicht bei Wünsch Dir was, sondern bei So isses!“ Trotzdem weist uns der Hafenmeister einen gut geschützten Liegeplatz mit bester Aussicht auf die Große Kirr, einer Insel (Naturschutzgebiet) zu. Am Abend gesellt sich die SY Anke zu uns, TES 550. Der Eigner ist ein begnadeter Bastler und hat sein Boot in allen Details optimiert. Da gibt es viel zu erzählen.

Es gibt sie auch noch, die alte DDR-Küche: Du gehst ins Restaurant und möchtest bestellen. „Hamwa nich“ oder „geht nich“. Und wenn Du dort Fisch bestellst, wird er 3 Min. ins Frittierfett getaucht und dann als frisch serviert. Hurra! Wir essen Fischbrötchen.

Und dann doch wieder als Gegenbeispiel das Fischerhaus im Hafen von Althagen. Verschiedene Biersorten im Eigenbräu und dazu Räucherfisch der feinsten Art. Absolut eine Reise wert.

Aushang im Fischerhaus

Im Hafen liegen Zeesenboote und Nurdachhäuschen. Nettes Ambiente. Auf dem Hinweg stehen wir wegen Vollsperrung 1 1/2 Stunden im Stau. Dabei kommen wir mit einem Paar vom Bremer Yachtclub ins Gespräch, die mit Ihrem Boot ebenfalls im Kloß Hafen einen Steg weiter liegen. Das wird dann doch noch ein netter Nachmittag.

Althagen

Anschließend Radtour entlang des Boddens von Ahrenshoop über Wieck bis Zingst.

Bunte Stadt Barth

Auch Barth beansprucht für sich den Titel „Vinetastadt„. Das ist aber bloss Marketing, denn da waren wir letztes Jahr schon und zwar im Stettiner Haff! Barth ist – im Gegensatz zu den Dörfern auf dem Darss – städtischer, eine schöne, rekonstruierte Stadt mit vielen bunten Häusern, Plätzen und Grünanlagen. Es herrscht deutlich weniger Publikumsandrang und wirkt deswegen etwas tot.

Heute, Samstag geht´s bei 3-4 Bft aus Süd mit Rauschefahrt zwischen 4 und 6 kn wieder zurück Richtung Barhöft. Der zweite richtige Segeltag. Immer entlang des Tonnenstrichs, denn befahrbar ist wirklich nur das enge Fahrwasser. Selbst in den Bodden gibt es immer wieder Gebiete, deren WT unter 1,5m liegt und deswegen sogar für unser Boot tabu sind. Auch in den Bodden ist nämlich deutlich weniger WT als die Seekarte anzeigt. Wir sind alle irgendwie Steinhuder Meer.

Bei totaler Flaute nach Altefähr, 2,5 Std motoren. Der Hafen bietet einen grossartigen Blick auf die Silhouette von Stralsund – und sonst nichts. Wir liegen an der Aussenmole und lassen uns von heftigem Schwell schaukeln und von feinen Schauern begießen.

Der letzte Tag ist bestimmt von den Öffnungszeiten der Ziegelgrabenbrücke in Stralsund. Vor der Brücke treffen wir SY Anke wieder und dahinter geht es nochmal mit voller Fahrt durch das Fahrwasser. Am frühen Nachmittag legen wir in Neuhof an. Das geplante Ankern entfällt, die Ankerkette ist nicht klar.

Insgesamt war das trotz überwiegend Starkwind ein sehr schöner, entspannter Urlaub. Seglerisch ist das Revier selbst für kleinere Boote mit geringerem (und variablem) Tiefgang nur attraktiv, wenn der Wind aus der „richtigen“ Richtung weht. Selbst mit unserer TES mussten wir meist im Fahrwasser fahren, weil es abseits teilweise so flach wird, dass die Vögel zu Fuß nebenher gelaufen sind. Zudem sind viele schöne Bereiche vom Naturschutz zur roten Zone erklärt worden. Sehr attraktiv finden wir die wie kleine Paradise gestalteten Gelände von private Yachtclubs, wo wir stets freundlich und nett aufgenommen wurden. Manchmal blieben wir bis zu drei Tage und unternahmen Ausflüge mit Bus und Fahrrädern.

Greifswalder Bodden

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Greifswalder Bodden

Überraschung! Vier Wochen nach dem Kauf kommen wir wieder auf unser Boot, die BlaueStunn, eine Neptun 22 mit Kielschwert.

Blaue Stunn

Der Verkäufer wollte noch einige Reparaturen durchführen und der Tischler den Nie dergang überarbeiten. Wir liegen am Steg des Anglervereins Greifswald Wiek, Hochsicherheitstrakt. Ulrike snackt mit dem Vorsitzenden und dann dürfen  wir zwischen den verschlossenen Gattern frei herumlaufen. Soviel Freiheit  kann der Rottweiler – selbst Gast hier – nicht ertragen – und  beißt   Ulrike kräftig in den Achtersteven.

Jetzt nur noch schnell das Schubfach einbauen, das Vorluk mit einem Schließer versehen, neue Kennzeichen besorgen….. . Dann noch schnell das Deck schrubben – das Bier ist schon kalt und Ulrike hat schon den Salat in der Kajüte geschnippelt!

Naja, es wird Dienstag bis wir loskommen.  Um 12 Uhr öffnet die Wieker Brücke nicht – also 13 Uhr. Und dann segeln wir immer noch 25,6 sm quer durch den Greifswalder Bodden bis Seedorf. Vor dem Anlegen bei sonniger Flaute im Naturschutzgebiet nehmen wir das Abendbrot im Cockpit und geniessen die Weite der Natur, die Stille ringsum und beobachten Möven und Seeadler bei der Jagd. Schließlich machen wir kurz vor der Dämmerung an einem Privatsteg vor der Fussgängerbrücke fest, für 8 (!) € die Nacht. Netter Empfang mit Einladung aufs Nachbarboot. Small Talk: Woher kommst Du – wohin gehst Du und worauf segelst Du?  Und dabei stets Austausch nützlicher Revierinformationen.  Seedorf ist winzig und besteht hauptsächlich aus Brücke, bietet weitläufige Wanderwege, viel Natur und – im Sommer – etwas Gastronomie.

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Seedorf

Am nächsten Tag geht´s bei  3-4 Bft  und kräftigen Böen in den „Hafen“ von Baabe, tatsächlich nur ein kleiner Anleger auf der Durchfahrt in den Selliner See.

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Harter Körpereinsatz – alle 4 Stunden Schichtwechsel

Der Fährmann holt über, dann sind es etwa 90 Min Fussweg zu unserem Winterurlaubs -Ferienhaus in Vilmnitz. Abends sitzen wir bei Frischfisch und Pils im alten Kutter und klönen mit der weltläufigen Besatzung vom Schubkahn um die Wette. Die fährt die Leichter zum Bau der neuen Marina hin und her.  Ins Zentrum von Baabe sind es 6 km, zu Fuss gefühlte 60 km. Man kann aber für 2 € stündlich mit der Bimmelbahn fahren.

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Den Rückweg müssen wir bei 4-5 ztws 6 Bft gegenan. Blaue Stunn meistert das Wetter absolut seetauglich, es herrscht allerdings auch kein Seegang. Heute geht es nach Lauterbach, Liegeplatz zwischen zwei Pfahlbauten. Ein trubeliger Ort mit Segel- und Surfschule, Restaurants, Marina und Stadthafen. Hier können wir uns ordenliches Tauwerk besorgen. Rainer hat Rücken und beansprucht eine Massage, ist aber nur Hokuspokus.

Weiter geht´s nach Strahlsund Danholm immer gegenan.  Hinter der Ansteu- erungstonne verreckt der Motor und der Katamaran von hinten kommt schnell näher. Viel Pumpen hilft viel und der Motor springt noch mal an. Trotzdem, diesmal müssen wir wieder laufen, nochmal gefühlte 80 km mit vollem Spritkanister! Ulrike verhandelt mit einem Taxifahrer – und generiert den doppelten Fahrpreis.

Stralsund altes Rathaus

Stralsund Nordhafen: Für so ein kleines Boot findet sich immer ein Plätzchen. Neben uns legt ein Holländer an. Die kommen gerade aus Polen zurück und sind ebenso begeistert von der Freundlichkeit der Deutschen von ne Waterkant wie auch wir. Wir haben aber keine Lust auf den Stadtbetrieb.

Stralsund altes Rathaus

Puddemin erreicht man um den Vogelhaken durch die Glewitzer Wiek. Selbst unsere Blaue Stunn mit hochgezogenem Schwert, muss ihm Fahrwasser bleiben. Großartige und navigatorisch spannende Einfahrt unter Segeln. Ganz am Ende gibts einen Anleger und zwei Stege im Seegras.

Puddemin
Puddemin

Uns gefällts hier mal wieder richtig gut. Zum Einkaufen machen wir uns zu Fuß auf den Weg nach Garz. Unterwegs rasten wir im Café an der L 30. Ein absolutes Muss! Selbstgebackener Kuchen und der frische Kaffee lohnen den Weg allemal. Allerdings muss die Wirtin dreimal laufen: Der starke Wind weht ihr immer wieder das Tablett aus den Händen. Nach der Rast bleiben noch gefühlte 160 km bis Garz. Kurz vor Ortsanfang erbarmt sich ein Autofahrer unserer, fährt uns zu EDEKA und nimmt uns wieder mit zurück. Danke!

Puddeminer Wiek

Auf dem Rückweg, wieder 5 Bft gegen, tut sich unser Jockel schwer, verschluckt sich ausgerechnet in der Engstelle und geht aus. Wie im Film kommt die Rettung in Form eines anderen Seglers daher. Der nimmt unsere Leine, schleppt uns um den Vogelhaken und dann hat sich der Jockel auch schon wieder erholt. Heute reicht´s uns bis Strahlbrode. Ein unspektakulärer Hafenort mit liebevoll gepflegten Wohnhäusern und einer ausgedehnten Datschen-Siedlung mit DDR -Flair. Highlights: Die Räucherbude mit Frischfisch und die dichte Brombeerhecke nahe dem Fähranleger. Auf dem Weg dahin fällt Rainer in voller Montur zwischen Bugkorb und Steg. Das Wasser ist eigentlich auf Badetemperatur.

Vogelhaken
Vogelhaken

Letzte Etappe zurück in unseren Anglerverein. Wir passieren die Wieker Brücke um 15 Uhr. Unbedingt zu empfehlen ist in Wiek das Restaurant Fischer Hütte (s. TripAdvisor) Ecke Boddenweg / An der Mühle.

Am nächsten Morgen kranen beim Anleger am Kegelkamp – und jetzt nimmt das Desaster seinen Lauf. Wir müssen uns an ein Leben ohne Blaue Stunn gewöhnen.

Hoch und trocken
Hoch und trocken

Rügen im Winter (landseitig)

Zwei Brücken führen über den Strelasund. Die eine hoch genug, die andere öffnet – leider sehr selten. Wenn man bis dahin kurz festmachen kann, sollte man durch Stralsund schlendern, lohnt sich!

Rügen läuft Sylt den Rang ab! Klassizistische Bäderarchitektur in Binz und Sellin, durchgängig in strahlendem weiß gehalten. Unbedingt den Binzer Villenrundgang von der Rügen-App mitmachen! (QR-Codes eInscannen). Viele alte Reetdach-Häuser wieder toll hergerichtet, insbesondere jeweils in Strandnähe.

Hiddensee, ein Naturereignis! Traumhafter, endloser Badestand im Westen, herbe Natur im Norden um den Leuchtturm und beim Toten Mann, großartiger Blick nach Osten gen Rügen. Die Orte Vitte und Kloster wirken wenig gepflegt, keine Spur von attraktiver „Bäderarchitektur“, allenthalben eher Kleingärtnermentalität – einzelne Bauten selbstverständlich ausgenommen. Und es zieht sich eine breite Fahrradautobahn durch die Orte. 

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Lauterbach, ein enger Hafen im Norden des Boddens bietet viele sichere Liegeplätze zwischen Pfahlbauten, vermieteten Ferienhäusern. Es finden sich auch Restaurants, eine Segelschule, Spielplätze. Yachten über 12m gehen besser in den kommunalen Hafen westlich nebenan. Bei der Ansteuerung hält man sich unbedingt an die betonten Wege. Abseits gibt es Flachs und große Steine. Wer Ankern möchte geht besser in das Revier östlich Vilm, weit genug weg von allen Abwasserzuleitungen, gut ge- schützt bei allen Windricht- ungen auf 3-5 m Wasser- tiefe.

Absolutes Highlight: Eine Wanderung entlang des „Pfades der Muße und Erkenntnis“ zwischen dem Badehaus Goor und Freetz. Im Sommer Bade- sachen mitnehmen !

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Sassnitz

Tief im Rügischen Bodden liegt Seedorf, wildromantisch gele- gen. Dort gibt es Liegeplätze in den „ostseeüblichen Boxen“ sogar für Yachten über 12 m. Auf der Ostseite Rügens ist lediglich Sassnitz ein Schutz-hafen, den man unter allen Bedingungen anlaufen kann.

Die Ansteuerung von Lohme und Glowe ist bei Starkwind aus Ost wegen vorgelagerter Felsen und kabbeliger See kritisch. Beides sind kleine nette Ortschaften mit Bäderarchitektur.

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Lohme
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Vitte (Putgarden) ist wegen der sich in das Tal schmiegenden alten Fischerhäuser sehens-wert, anlegen kann man an dem kleinen Steg aber nicht, dürfte auch zu flach sein.

Bei der Umrundung der Kreidefelsen von Cap Arkona muss mit auflandigem Strom und schmälendem Wind rechnen und sollte deshalb seine Schläge frühzeitig unter Berücksichtigung der Wind- richtung planen.

Blog für Skippers Mitsegler