Vorpommersche Bodden, Hiddensee, Rügen, Darss

Hiddensee Strandweg

Wir segeln ab Neuhof über Stralsund nach Hiddensee. Stralsund ist immer eine Reise Wert. Ausgezeichnetes Abendessen auf der Terrasse Kron Lastadie!

Und am Donnerstag mit raumem Wind 5 Bft mit durchgängig 5-6 kn in rasender Fahrt Richtung Hiddensee. Wir liegen in Vitte, Marina Langeort und schauen in den stürmischen Sonnenuntergang. Ulrike kocht auf dem Wok ein exzellentes Menü. Die ganze Nacht drücken die Windböen unter die Cockpitplane – und der Wettbericht lässt auch für die nächsten drei Tage nichts Gutes erwarten. Wir bleiben in Vitte.

Ostseestrand Hiddensee

Am Sonntag geht es bei W 4-5 Richtung Schaprode. In der Hafenausfahrt Langeort kommt Steinhuder Meer Feeling auf, zuerst zieht das Boot braunen Schlamm hinter sich auf und dann bleibt es im Fahrwasser stecken – bei 1,40m Schwert. Schwert hoch, Speed auf den Honda und Problem gelöst. Ulrike tut sich schwer, sich am rechten Fahrwasserrand zu halten und fängt einen Anschiss vom Überholer ein. Hinter der Tonne 31a wollen wir bei 1,50 m Kartentiefe abkürzen zur Ansteuerung Schaprode – und sitzen gleich mal wieder fest. Die wahre WT liegt unter 1,20m. Segel runter und Aquamot an – rettet die Situation. Wir machen mit dem Heck zur Oie fest. Wunderschöner Ausblick und eine ruhige Nacht.

Montag: Delta Papa 07 hat es aufgegeben, Wetterdaten und eine qualifizierte Vorhersage zu liefern. Das ist konsequent, denn die letzte Woche lagen sie immer daneben. Windfinder kündigt WSW 4-5 an, Tendenz abschwächend. Bei WindFi kommt es auf die Anzeige der Böenstärke an, denn die Böen sind deutlich stärker als üblich und halten viel länger an. Wir warten bis 14 Uhr und legen dann erst ab, hoffend auf die “Abendflaute”.

Nix “Abendflaute”. Bei W 5 Bft gings die Gellerhaken Rinne nach Süden. Teils mit gereffter Genua, teils mit Honda. Nur mit Genua bei Seegang neigt WindiGo zu drastischer Leegierigkeit. Um den Bootstrimm zu verbessern, haben wir Taschen und Fahrräder ins Vorschiff gepackt. Dann gings besser. Heute ziehen wir das zweite Reff ins Grossegel ein, damit sollte sie morgen besser laufen. Jetzt liegen wir in Barhöft bei warmer Abendsonne und windgeschützt.

Beweismittel

Am Dienstag lernen wir, warum man mit hochgezogenem Schwert keine Manöver fahren sollte: Ulrike legt rückwärts gegen den Wind ab und fährt dann voraus- der Wind drückt sie manövrierunfähig direkt mit voller Fahrt auf den Steg und das Nachbarboot. Rainer wirft sich mit vollem Körpereinsatz dazwischen. Die Liegeplatz-Nachbarn ziehen ihn aus dem Wasser. Ganz grosses Hafenkino!

Zweiter Ablegeversuch mit Schwert – ohne besondere Vorkommnisse. 😉 Als wir den Kleinen Werder passiert haben, begrüsst uns ein kräftiger Westwind mit 6 Bft. Der Honda schiebt uns kräftig voran immer noch mit 5.2 kn, wenn die Welle ganz dicke kommt, nur noch mit 3.8 kn.

Auf dem Flach südlich der Tonne B 88 sichtet Ulrike die Kenterung einer Jolle. Wir ändern den Kurs und bieten Hilfe an. Brauchen die aber nicht. Wir bleiben in der Nähe, bis sie das Boot wieder aufgerichtet haben.

Um 16.30 machen wir im urigen Kloss Hafen fest. Uns begrüßt ein Schild: “Wir sind hier nicht bei Wünsch Dir was, sondern bei So isses!” Trotzdem weist uns der Hafenmeister einen gut geschützten Liegeplatz mit bester Aussicht auf die Große Kirr, einer Insel (Naturschutzgebiet) zu. Am Abend gesellt sich die SY Anke zu uns, TES 550. Der Eigner ist ein begnadeter Bastler und hat sein Boot in allen Details optimiert. Da gibt es viel zu erzählen.

Es gibt sie auch noch, die alte DDR-Küche: Du gehst ins Restaurant und möchtest bestellen. “Hamwa nich” oder “geht nich”. Und wenn Du dort Fisch bestellst, wird er 3 Min. ins Frittierfett getaucht und dann als frisch serviert. Hurra! Wir essen Fischbrötchen.

Und dann doch wieder als Gegenbeispiel das Fischerhaus im Hafen von Althagen. Verschiedene Biersorten im Eigenbräu und dazu Räucherfisch der feinsten Art. Absolut eine Reise wert.

Aushang im Fischerhaus

Im Hafen liegen Zeesenboote und Nurdachhäuschen. Nettes Ambiente. Auf dem Hinweg stehen wir wegen Vollsperrung 1 1/2 Stunden im Stau. Dabei kommen wir mit einem Paar vom Bremer Yachtclub ins Gespräch, die mit Ihrem Boot ebenfalls im Kloß Hafen einen Steg weiter liegen. Das wird dann doch noch ein netter Nachmittag.

Althagen

Anschließend Radtour entlang des Boddens von Ahrenshoop über Wieck bis Zingst.

Bunte Stadt Barth

Auch Barth beansprucht für sich den Titel “Vinetastadt“. Das ist aber bloss Marketing, denn da waren wir letztes Jahr schon und zwar im Stettiner Haff! Barth ist – im Gegensatz zu den Dörfern auf dem Darss – städtischer, eine schöne, rekonstruierte Stadt mit vielen bunten Häusern, Plätzen und Grünanlagen. Es herrscht deutlich weniger Publikumsandrang und wirkt deswegen etwas tot.

Heute, Samstag geht´s bei 3-4 Bft aus Süd mit Rauschefahrt zwischen 4 und 6 kn wieder zurück Richtung Barhöft. Der zweite richtige Segeltag. Immer entlang des Tonnenstrichs, denn befahrbar ist wirklich nur das enge Fahrwasser. Selbst in den Bodden gibt es immer wieder Gebiete, deren WT unter 1,5m liegt und deswegen sogar für unser Boot tabu sind. Auch in den Bodden ist nämlich deutlich weniger WT als die Seekarte anzeigt. Wir sind alle irgendwie Steinhuder Meer.

Bei totaler Flaute nach Altefähr, 2,5 Std motoren. Der Hafen bietet einen grossartigen Blick auf die Silhouette von Stralsund – und sonst nichts. Wir liegen an der Aussenmole und lassen uns von heftigem Schwell schaukeln und von feinen Schauern begießen.

Blog für Skippers Mitsegler